Lux 10.07. - Darf der katholischen Kirche “.god” gehören?

EU ALS-Meeting

Heute ging es los mit dem europäischen Treffen der sogenannten At-Large Structures (ALS vgl. frühere Beiträge). Zentrale Frage ist, wie können wir am besten die Interessen der „Endnutzer“, der Bürgerinnen und Bürger vertreten? Ist die von den ICANN-Bylaws definierte Struktur der regionalen “Enduser”-Vertretungen sinnvoll, deren Aufgabe es in Zukunft sein soll, die Mitglieder von ALAC (dem At-Large Advisory Committee, das sich um die Verbraucher- und Bürgerrechte kümmern soll) zu wählen?

Bisher konstituieren vor allem die jeweiligen nationalen Organisationen der Internet Society (Bulgarien, Holland, Italien,…) die europäischen At-Large Structures. Davon abgesehen, dass es deutlich mehr internetnutzerorientierte Organisationen mitarbeiten sollten, wäre es wichtig, eine Form zu finden, Einzelpersonen mit ihrem Wissen und Engagement aufzunehmen und nicht nur Vereine zuzulassen.

Sponsoren regieren die Welt!
Weiter geht es mit einem mehrstündigen Panel, das wir zur Einführung weiterer Top Level Domains (TLDs) organisiert haben. Vertreter von .jobs und .xxx und der Business Constituency priesen die Einführung von sponsored TLDs: “ICANN is about privatization”. Danke für die klaren Worte. Das Problem, dass den Sponsoren das Recht eingeräumt wird, sich auszusuchen, wer sich bei ihnen registrieren lassen darf, habe ich bereits beschrieben (bei .jobs z.B. dürfen nur Arbeitgeber und Headhunter eine Domain registrieren). Die Privatisierung des neuen Kommunikationsraums Internet schreitet weiter voran.

Im Panel habe ich diesen Trend so zusammengefasst: In Zukunft werden wir “.food” eröffnen, gesponsored von der Nahrungsmittelindustrie (die somit auch nur diesen Unternehmen zur Verfügung steht) und “.god” gehört der katholischen Kirche! - Oder der Weltvereinigung der Atheisten, die sich zuerst als Sponsoren angeboten haben. Das ist doch alles Wahnsinn - aber durchaus nicht unwahrscheinlich, wenn man die heutigen Reden hört.

GAC Pankaj Agrawala

Am Abend treffen wir (ALAC) uns mit den Regierungsvertretern (GAC - Governmental Advisory Committee), die eher unsere Ansätze teilen. Als Vertreter unterschiedlicher Länder mit unterschiedlichen Rechtssystemen und Sprachen ist ihnen der unilaterale Bezug von ICANN zum amerikanischen System ein Dorn im Auge. Die vom UN-Weltgipfel organisierte Working Group on Internet Governance (WGIG) wurde von ihnen als ein “Wake up call” bezeichnet und auch der Multistakeholderansatz gelobt, der zur Entscheidungsfindung die Drittelung der Gremien in Vertreter von Regierung, Zivilgesellschaft und Business vorsieht.

Eine Antwort zu “Lux 10.07. - Darf der katholischen Kirche “.god” gehören?”

  1. Eberhard Blocher sagt:

    Hallo Annette Muehlberg,

    soeben (vor einer Stunde) wurde dem ICANN-Board vom GAC aber gehoerig der Kopf gewaschen bezueglich sTLDs, vor allem .xxx

    Ob nach dieser Sitzung heute (Montag) die .xxx noch eine Chance hat,
    wage ich doch sehr zu bezweifeln, trotz der 1,5 Mio Dollar, die der
    Antragsteller in die Bewerbung um .xxx bisher nach seiner Aussage
    investiert hat.

    Eberhard Blocher
    Koeln (derzeit Luxemburg)

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